Religionsunterricht aktuell

Im Religionsunterricht der Klassenstufe 7 war das Thema der Prophet Jeremia. Er verkündete im 6. Jahrhundert vor Christus den Untergang des Königreiches Juda – sehr zum Ärger der damals Mächtigen. Immer wieder wies er auf Ungerechtigkeit und Unglaube hin und warnte vor dem Untergang. Das babylonische Großreich zerstörte dann Jahre später tatsächlich Jerusalem und den Tempel. Jeremia beklagt die zerstörte Stadt in eindringlichen Worten.
Nach der Zerstörung Dresdens 1945 nahm der Komponist Rudolf Mauersberger dieses Klagelied Jeremias und vertonte es in Auszügen zu einem Chorlied. Es wurde 1945 in der zerstörten Kreuzkirche uraufgeführt. Durch das weggeschossene Dach konnte man den Himmel sehen.
Im Unterricht haben wir über die schwere Last gesprochen, Ungerechtigkeit zu benennen und sich mit Mächtigeren anzulegen. Die Zerstörung Jerusalems und Bilder vom zerstörten Dresden von 1945 haben wir mit dem Klagelied Jeremias und dem daraus komponierten Chorlied verknüpft.
Die Bilder der Zerstörung in der Ukraine schlossen sich fast zwangsläufig bei allen an. Das Klagelied Jeremias war die Anregung über den Konflikt in der Ukraine zu sprechen und Krieg und Zerstörung in eigenen Worten zu beklagen. So sind diese Texte von einzelnen und in Gruppen entstanden.
Sie finden hier nur eine Auswahl, die anderen Texte findet man im Raum 23.1 auf einer von den Schülerinnen und Schülern gestalteten Friedenswand.
Das Mitgefühl, der Friedenswille und die Authentizität der Texte sind sehr berührend und lassen kleine Rechtschreibfehler völlig in den Hintergrund treten.
Religionslehrerin Cornelia Wüstling

Wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war.
Alle ihre Tore stehen öde.
Wie liegen die Steine des Heiligtums
Vorn auf allen Gassen zerstreut.
Er hat ein Feuer aus der Höhe
in meine Gebeine gesandt und es lassen walten.
Ist das die Stadt, von der man sagt,
sie sei die allerschönste,
der sich das ganze Land freuet?
Sie hätte nicht gedacht,
dass es ihr zuletzt so gehen würde;
sie ist ja gräulich heruntergestoßen
und hat dazu niemand, der sie tröstet.
Darum ist unser Herz betrübt,
und unsere Augen sind finster geworden.
Warum willst du unser so gar vergessen
Und uns lebenslang so gar verlassen?
Bringe uns, Herr, wieder zu dir,
dass wir wieder heimkommen.
Erneuere unsere Tage wie vor alters.
Ach Herr, siehe an mein Elend!

(Aus Klagelieder Jeremias, Kapitel 1-5, Text: Rudolf Mauersberger)