Homeschooling – Fluch oder Segen

Ein Kommentar von Karen Mitschke

Seit über einem Jahr hat das fiese Corona-Virus unser Leben fest im Griff. Gerade überrollt uns die dritte große Infektionswelle mit vielen Kranken und Toten auch unter jüngeren Menschen. Schulen gelten als wichtige Ansteckungsherde, da während des Unterrichtes viele Personen, die unterschiedlichen Familien angehören, über längere Zeit zusammen in einem Raum sind. Deshalb bleiben für viele SuS die Schulen geschlossen und sie müssen allein zu Hause lernen.
Für mich als Schülerin der achten Klasse heißt es zum zweiten Mal Homeschooling seit Pandemiebeginn und diesmal mehr oder weniger ununterbrochen schon fast ein halbes Jahr lang. Mein älterer Bruder geht in eine 10. Klasse. Auf Grund der abzulegenden MSA-Prüfungen hat er im Gegensatz zu mir überwiegend Präsenzunterricht. Wir beide streiten oft darüber, wer es besser hat. Wenn ich es mir so recht überlege, geht es mir beim Homeschooling eigentlich recht gut. Ich spare jeden Tag mehr als eine Stunde Zeit für den Schulweg ein. Deshalb kann ich länger schlafen und sitze so morgens früh um acht Uhr zu Unterrichtsbeginn ziemlich munter und konzentriert am Laptop. Meine Internetverbindung steht meistens. Während des ersten Unterrichtsblocks esse ich oft nebenbei gemütlich mein Frühstück. Es bereitet mir eigentlich keine Probleme, mich zum Lernen oder zum Mitarbeiten zu motivieren. Ich kann mich zu Hause oft besser auf den Unterricht konzentrieren als in der Schule, wenn es in der Klasse manchmal ziemlich laut ist. Was nervt ist, dass ich nicht mit meinen Freunden zusammen sein kann. Diskussionen und Gedankenaustausch sind nur sehr eingeschränkt möglich. Da geht meiner Meinung nach sehr viel Lernspaß verloren. Mir fehlt auch der gemeinsame Sportunterricht sehr. Und was mir noch am Homeschooling nicht gefällt, sind die Kopf- und Nackenschmerzen, nachdem man einige Stunden in unbequemer Haltung am Laptop verbracht hat.

Mir ist aber aufgefallen, dass einige SuS, die im normalen Präsenzunterricht eher zurückhaltend und schüchtern sind, von zu Hause aus viel besser mitarbeiten. Wahrscheinlich fühlen sie sich besser und sicherer, wenn sie von den Lehrern und Mitschülern nicht angeschaut werden. Da ist es nicht so peinlich, wenn man mal die falsche Antwort auf eine Frage gibt.
Es gibt bestimmt auch Schüler, welche sich aktiver in den Online-Unterricht einbringen würden, das aber nicht können, weil notwendige Voraussetzungen, wie z. B. ein fehlerfrei funktionierender Internetzugang oder eine ruhige Lernumgebung, zu Hause fehlen.
Und dann kenne ich auch solche SuS, die sich für das Homeschooling überhaupt nicht motivieren können. Sie teilen sich die Zeit nicht richtig ein, erledigen ihre Aufträge nicht oder geben keine Antwort, wenn sie in den Videokonferenzen angesprochen werden. Manche tauchen sogar richtig ab und sind nicht mehr zu erreichen. Für solche Schüler ist die Homeschooling-Zeit eine richtige Katastrophe. Sie werden viel Stoff nachholen müssen.
Auch unsere Lehrer haben es in dieser Zeit nicht leicht. Einige von ihnen haben ein Alter, in dem es nicht selbstverständlich ist, mit der modernen Computertechnik intensiv umzugehen. Außerdem ist es schwer, uns Schüler richtig einzuschätzen und Noten zu geben.
Wie dem auch sei, wir müssen da alle durch. Unsere Schülergeneration wird durch das Homeschooling eine ganz besondere sein, eine, die sich wahrscheinlich besonders gut selbständig Wissen aneignen kann.